Wie baue ich mein Wohnmobil?

Finanzen

Nachdem ich alle Fragen die ich bei den Vorgedanken aufgelistet habe für mich beantwortet hatte, habe ich das ganze Projekt durchgerechnet. Obwohl es eigentlich gar nicht meiner Art entspricht, habe ich bei diesem Projekt akribisch über alle Ausgaben Buch geführt. Mir war es einfach wichtig es "richtig" zu machen. Ich habe zu Beginn eine Kalkulation aller zu erwartender Kosten erstellt. Darunter große Posten wie Fenster, Holz Stoffe aber auch alle zu erwartenen Kleinteile. Ich habe dann während das Ausbaus tatsächlich alle Belege gesammelt und alle paar Tage alles in eine Liste eingetragen und immer wieder Zwischenstände ausgerechnet. Das hat mir in der Tat geholfen jederzeit zu wissen wo ich finanziell stehe – wo strapaziere ich gerade das Budget oder wo habe ich noch Spielraum. Ich bin bei meiner Kalkulation für den Ausbau grob von 3500 EUR ausgegangen, wusste aber, dass man nicht jede einzelne Schraube im Vorfeld bedenken und planen kann und habe mir dann einen Puffer von ca. 1000 EUR eingeplant.

 

Ideensammlung

Nach abgeschlossener Kalkulation, bin ich zu einschlägigen Wohnmobilhändlern gefahren um mir anzuschauen/abzuschauen, wie es die Hersteller machen. Wie sind deren Grundrisse geschnitten, wie werden dort bestimmte Probleme angegangen? Ich habe dort Fotos gemacht und auch Maße abgenommen um ein generelles Gefühl zu bekommen. Mir ist allerdings aufgefallen, dass durch die Verwendung von Leichtbaumaterialien, auch alles ein bisschen windig angemutet hatte. Eine meiner Befürchtungen wäre da gewesen, abgesehen vom Ausleiern durch die dauernde Benutzung, dass das Ganze nach ein paar tausend Kilometern anfängt zu klappern, rattern oder zu quietschen. Das würde mich auf Dauer zum Wahnsinn treiben. Also wusste ich, ich werde nicht nur alles verschrauben sondern auch zusätzlich verkleben.

 

Die Hersteller bieten zwar unterschiedliche Grundrisse an, aber im Prinzip behalten sich alle einen relativ flexiblen Stauraum unter dem Bett vor und dadurch ist die Verkleidung zum Innenraum recht windig und klapprig. Da stellte sich mir die grundsätzliche Frage brauche ich das hintere Bett überhaupt klappbar um eine "Heckgarage" für Fahrräder möglich zu machen, oder wird das Bett, wie auch der Stauraum hinten, lieber fest verbaut? Eine Klappe hier und noch eine herausnehmbare Wand da bedeuten halt während der Fahrt einfach wieder potentielles Geklapper. Da ich für die Fahrräder sowieso einen Fahrradträger aussen am Fahrzeug eingeplant hatte, war die Entscheidung gefallen. Also habe ich mich aus Stabilitätsgründen für die feste Variante ohne flexible Garage entschieden. Der Vorteil, das Bett würde am Fahrzeugrahmen an den Gewinden massiv verschraubt und dient somit auch als solide Befestigung für die Stellwände. Dadurch werden die Stellwände super stabil und wiederum dadurch die daran befestigten Oberschränke. Alles wird sich dann gegenseitig stabilisieren.

 

Konkrete Pläne

Jetzt hatte ich mir zwar viele Anregungen geholt, aber ich wollte keinen der Hersteller-Grundrisse 1:1 übernehmen. Mir hat vieles vom dem was ich gesehen hatte gefallen, aber vieles auch nicht. Also hatte ich zum Schluss einen guten Mix aus Bewährtem was ich mir abgeschaut hatte und meine eigenen Ideen. Nun musste ich nur noch auf Nummer Sicher gehen, dass ich mit meinen Vorstellungen bezüglich des Raums nicht völlig daneben liege. Es wäre fatal gewesen wenn ich in meiner Vorstellung sicher gewesen wäre die Dimensionen des Boxer Light würden vom Raumangebot ausreichen und ich würde dann nach dem Kauf und ersten Ausbauten feststellen, dass er für das was ich vorhabe doch zu klein ist – zumal die Hersteller zu 90% alle den Maxi verbauen und ich bislang mich nur in einem ausgebauten Maxi bewegt habe. Also habe ich bei uns in der Wohnung die Maße des Innenraums des Boxer im Maßstab 1:1 mit Kreppband auf den Boden geklebt. Dann habe ich nach und nach Bett, Bad und Dinette nach den Dimensionen meiner Vorüberlegungen auch in diesen "Raum" eingeklebt. Ich habe mich dann tatsächlich in das eingezeichnete "Bett" auf dem Boden gelegt und mal gedreht und ausprobiert ob der geplante Platz wirklich ausreicht. Dann habe ich hier und da um Zentimeter gefeilscht bis ich tatsächlich sicher war, dass der zur Verfügung stehende Raum sinnvoll auf Bett, Bad, Dinette und Küche verteilt war. Ich bin sprichwörtlich vorher schon mal durch mein Wohnmobil gegangen. Man muss sich da einfach richtig reindenken, dann geht das schon.

 

Da mein Krepp-Bodenmodell nur zweidimensional auf dem Boden war, konnte ich eine Sache nur in meinem Kopf durchspielen, nämlich das Hubbett für die Schlafplätze für Frau und Kind. Ich habe mir vorgestellt im vorderen Bereich über der Dinette wäre ein Hubbett vom Platz her sehr effizient. Tagsüber nach oben gefahren hätten wir Zwerge problemlos Stehhöhe und abends kann man es mit wenigen Handgriffen soweit herunterlassen, dass man oben im Bett bequem sitzen kann, und unten in der Dinette noch an Sachen auf dem Tisch rankommt bzw. in die Schränke oder an Kästen kommt. Auch sollte die Schiebetür noch erreichbar sein. Aber ganz ehrlich, obwohl ich wusste, dass das Bett unbedingt rein muss, wollte ich mich nicht konkret damit beschäftigen wie ich im Detail den Hubmechanismus umsetzen werde. Nicht jetzt. Ich wusste nur welche Breite das Bett haben musste, dass meine Mädels komfortabel schlafen können. Diese Breite definierte von nun an allerdings die Länge der Dinette. Klar, habe ich zwischenzeitlich immer wieder daran gedacht wie ich den Hubmechanismus umsetzen kann ohne auf fertige Mechaniken zurückgreifen zu müssen, aber es kamen nur schemenhaft Ideen rein. Dazu war ich zu sehr mit dem restlichen Ausbau beschäftigt. Zu diesem Zeitpunkt musste ich mich mental einfach damit begnügen, dass ich meine Kreativität später auf Knopfdruck abrufen können werde. Soviel zum Thema planen im Vorfeld :-)

 

Das Auto

Als ich dann das Auto gekauft und von innen genau inspiziert hatte, fiel mir direkt die Innenkonstruktion aller Holme und Verstärkungen, inkl. der Verjüngung zum Dach hin auf. Daraufhin musste ich mich zu allererst von der Vorstellung verabschieden, dass man die Möbel anhand des ausgemessenen Fahrzeugs im Keller bauen und dann ins Fahrzeug einbauen könnte. No Chance! Erstmal ist es aufgrund der Rundungen und Verjüngungen nahe zu unmöglich das Fahrzeug auf den Millimeter genau zu vermessen. Versteht mich nicht falsch, ich kann messen! Ich habe gelernt mit Messschieber, Bügelmessschraube und Messuhr auf ein Hundertstel genau zu messen. Aber das kannst du in so einer Kiste alles vergessen. Das Problem ist mit den Rundungen weisst Du nie genau wo du deinen Maßstab anhalten kannst. Also wurde mir schnell klar, dass ich ein Brett einbaue und dann wieder messe wieviel Platz jetzt nur übrig ist, und dann kamen oftmals ganz krumme Maße für bestimmte Bretter zustande, damit nicht irgendwo plötzlich ein Spalt von mehreren Millimetern zwischen den Brettern entsteht. Hier liegen tatsächlich Theorie und Praxis himmelweit auseinander.

 

Bauart

Es gibt bei den Selbstausbauern verschiedene Konzepte um das Fahrzeug zu dämmen und anschliessend auszubauen. Viele nehmen das leere Fahrzeug und dämmen erstmal den kompletten Kahn durch und bauen dann erst das Mobiliar ein. Das habe ich anfangs auch überlegt. Aber, ich wollte, speziel am Dach, keine Verschraubungen setzen. Löcher für Schrauben im Dach sind potentielle Stellen für Undichtigkeiten. Das wollte ich unter allen Umständen vermeiden. Also war der Plan meine tragenden Wände seitlich an den Holmen und am Boden zu verschrauben (wo ich nicht durch das Außenblech muss) und mit Montagekleber zu verkleben. An der Fahrzeugdecke würde ich auf die Verschraubungen verzichten und großzügig mit dem Blech verkleben. Dazu musste das Blech aber noch blank sein. Auf die schaumstoffartige Isolierung zu kleben würde mich Stabilität kosten. Heisst also,  zuerst würden alle tragenden Elemente hundertprozentig stabil und "quietschfrei" montiert. Auf diese Weise stabilisieren sich auch alle Schrank- und Wandelemente gegenseitig. Und dann wird außenrum nahtlos isoliert. Soviel sei vorweg gesagt: das Womo kann ich von einer Klippe runterfahren. Da geht unten beim Aufprall eher die Klippe kaputt! Es ist unfassbar stabil; nix klappert, nix vibriert und es quietscht auch nichts. Ich würde es immer wieder so machen.

Hier möchte ich auch nochmal das Thema Leichtbauholz ansprechen. Zum Einen ist dieses Zeug sehr teuer, und zum Anderen bekommt man es nur plattenweise. Man bekommt eine 3x5m Platte vor die Haustür geliefert und müsste alle Zuschnitte komplett selbst erstellen – von der Lagerung dieser Reisenplatte mal abgesehen. Dafür hätte ich weder den Platz noch die Präzisionssägen gehabt. Also habe ich beschlossen auf Zuschnittholz des Baumarktes meines Vertrauens zurückzugreifen. Ich habe recherchiert was das Leichtbauholz pro Quadatmeter wiegt und habe einfach mal eine Baumarkt-Platte 1x1m gekauft und gewogen. Hochgerechnet auf die zu erwarteten Gesamt-Quadratmeter hat sich bei mir ein Unterschied von knapp 90kg zum Leichtbauholz ergeben. Bei einem Wohnwagen kann es unter Umständen tatsächlich genau auf diese 90kg ankommen. Aber da ich aber meinen Transporter vorab gewogen habe und wusste wieviel ich da noch reinpacken kann, habe ich mich für das Baumarktholz entschieden. Erstens wesentlich billiger, zweitens wesentlich stabiler, drittens ich bekomme es präzise zugeschnitten und viertens ich muss nur das kaufen was ich zuschneiden lasse.

 

Supplychain

Ich habe mir im Vorfeld auch Gedanken gemacht wo ich welche Dinge herbekomme. Nehme ich bei allem immer das spezielle Zeug vom Caravanhändler, oder gibt es auch Alternativen die eigentlich nicht fürs Wohnmobil gedacht sind? Oftmals kann man Dinge auch selbst abwandeln und spart dabei unfassbar viel Geld. Beispielsweise ein 20" TV-Gerät kostet, beim Caravanhändler mindestens 400 EUR weil es direkt mit 12V betreibbar ist und angeblich das Gerüttel besser abkann. Meines Erachtens totaler Bullshit! Ich habe ein 20" TV-Gerät mit eingebautem DVD-Player von Ebay (neu) für 100 EUR gekauft. Dieses Gerät hat zwar keinen 12V Anschluss, aber ein externes Netzeil. Dieses wandelt die 240V AC in 12V DC. Und dann geht das Kabel aus dem Netzteil mit sauberen 12V in das TV-Gerät. Fazit, ich lasse das Netzteil weg und löte mir ein Kabel mit dem ich den Fernseher direkt am 12V Bordnetz anschließe. Das hat auch mit der Playstation funktioniert, das aber nur nebenbei. Man sieht also, man kann wenn man outside-the-box denkt ganz viel Geld sparen! Da ich den Fernseher nicht erst fürs Womo gekauft hatte sondern schon mehrere Jahre im Wohnwagen hatte, weis ich, dass er die Erschütterungen während der Fahrt problemlos weggesteckt hat. Also, don´t believe the hype...

 

Gleiches beim Montagekleber, auch allen bekannt als Sikaflex. Speziell diese Marke gibt es auch nicht im Baumarkt. Und davon braucht mal unfassbar viel. Obwohl es nicht ausgewiesen für Caravaning ist, habe ich mich schon vor Jahren für die Baumarkt-Variante von Soudal entschieden. Da gibt es eine 20min Turbo Variante, eine normale Variante und eine Flex-Variante. Ich weis nicht wieviele Kartuschen ich in meinem Leben schon von diesem Zeug im Wohnwagen und zu Hause verklebt habe. Ich schwöre auf das Zeug. Es hält bombenfest, ist witterungsbeständig und wenn man alle drei Varianten hat ist man super flexibel. Man kann mit der Turbo-Variante oftmals Dinge innerhalb von 20min so fixieren, dass man weiterarbeiten kann. Manchmal kombiniert man zwei Klebstoffe in dem man aussen Punkte mit dem Turbo (für schnelles fixieren) setzt und dann innen lange Bahnen für den Langzeithalt. Für Teile die man einklebt, bei denen man weis, dass sie starker Bewegung oder Torsion ausgesetzt sind, nimmt man die Flex-Variante. Ich hatte damit noch nie Probleme. Auch hier muss es nicht die fancy Caravan Variante sein.

 

Was die Bretter und anderes Baumaterial angeht, ist es wichtig einen Baumarkt in der Nähe zu haben. Was mir bei meiner "Buchhaltung" immer wieder aufgefallen ist, dass viele Belege das gleiche Datum haben :-) Was will ich damit sagen? Oftmals fährt man an einem Tag mehrmals zum Baumarkt; wieder Stichworte "man kann nicht alles planen" und "improvisieren". Also, ist es gut wenn der Baumarkt in der Nähe ist und man nicht jedesmal 50km zum Caravanhändler muss. Ich habe mir also gut überlegt was ich wo hole. Bei mir waren 65% der Belege vom Baumarkt, 30% von ebay und 5% vom Caravanhändler.

 

 

Quintessenz

Wenn ihr glaubt, dass dies ein Projekt ist, bei dem ihr im Vorfeld jeden Zentimeter in der Theorie durchexerzieren könnt um es anschliessend in der Praxis einfach nur abzuarbeiten, dann seid ihr schief gewickelt. Ihr müsst bei so einem Projekt den Spagat zwischen klarer Vorstellung und Improvisation schaffen. Es läuft in vielen Fällen darauf hinaus, dass man wissen muss, dass man an einer bestimmten Stelle einen Schrank haben will und wie er aussehen soll. Und dann muss man dann den Schrank reinimprovisieren. Ganz oft hat sich erst während des Ausbaus – im Prinzip als ich die Bretter eingeschraubt hatte – rausgestellt wie es dann am Ende tatsächlich aussehen würde. Das war 50% Planung und 50% Improvisation. Das klingt jetzt total irre, ist aber so. Das ist kein rechteckiger Raum in dem man Sachen nur reinstellt und sie auch sicher stehen weil der Raum sich nicht bewegt. Wir reden von einem Raum der keine gerade Wand hat, der klein ist und der sich mit 120km/h über die Autobahn bewegt und in dem jedes Teil zu einem gefährlichen Projektil werden kann. Vieles was ich bislang vom Möbelbau her kannte konnte ich zwar hier einfließen lassen, musste aber hinsichtlich der Belastungen im Wohnmobil, auf den Prüfstand. Deshalb musste ich vieles anders und meist auch aufwändiger umsetzen als ich das vom Möbelbau für zuhause kannte.

Um es ganz absurd abzuschließen:
Ohne dass ich wissen konnte wie es am Ende im Detail aussehen würde, ist alles zu 100% so geworden wie ich es mir vorgestellt habe. Now chew on that!

FACEBOOK will ich nicht

TWITTER brauch ich nicht

INSTAGRAM schon gleich gar nicht

GOOGLE+ kommt gar nicht in die Tüte


 

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