Wir haben ja bereits letztes Jahr begonnen Umbauten aus Sperrholz herzustellen. Ich habe da zum ersten Mal unbehandeltes Sperrholz verarbeitet und war davon eigentlich ganz angetan. Ich habe damals das rohe Holz nach dem Schleifen einfach mit Hartöl behandelt und somit die Oberfläche sowohl versiegelt als auch optisch behandelt. Grundsätzlich wäre ich mit der Optik zufrieden gewesen, aber leider war sie optisch nicht konsistent. Unterschiedliche Holzlieferungen im selben Baumarkt haben, mit Öl aus der gleichen Dose, deutlich unterschiedliche Ergebnisse ergeben. Da war nicht nur das Holz schuld, sondern auch die Menge des aufgetragenen Öls und auch die Einwirkdauer. Das hätte ich mir im Vorfeld nicht vorstellen können. Alleine im Heckfach habe ich somit Verblendungen und Türen mit unterschiedlichem Kontrast und grundverschiedenen Farbmustern. Manche einfarbig, manche zweifarbig. Das lag dann aber wiederum am Holz. Ich habe also lange überlegt wie ich es diesmal mache.
Vorüberlegung.
Also, es ging mir ja primär wirklich um die Gewichtsersparnis. Ich wollte, dort wo es halbwewgs einfach ist, alles an Spahnholz gegen das leichtere Sperrholz ersetzen. Mir war klar, dass einzelne Spahn-Dekor-Platten bleiben müssen, wie z.B. vier Hauptraumwände die in Granada-Eiche ausgeführt sind. Diese sollten sich dann nach dem Umbau ins Bild nahtlos einfügen. Das beträfe den Extra-Küchenschrank, die Dinetteverkleidungen und den Dinettetisch. Wenn ich das schon alles anfasse, dann überlege ich mir auch gleich, was ich funktionell zu den alten Elementen verbessern und optimiren kann. Und da gäbe es so einiges.
Küchenschrank.
Da der Küchenschrank in der Schiebetüre ist, habe ich mich oft gefragt, warum ich den damals nicht gleich so gebaut habe, dass er sowohl von innen als auch von aussen zugänglich ist. Die Klappe in der ursprünglich die Kochplatte verogesehen war brauchte ich so auch nicht mehr, aus ihr könnte eine zweite Schublade werden.
Dinette Sitzbank.
In der Dinette Sitzbank ist seit letztem Jahr die Klimanlage. Diese hatte bislang den Luftauslass nach vorne, was ich unbedingt umbauen wollte, weil ich eine Kaltluftverteilung brauche bei der die Luft von oben in den Raum fällt und nicht im Fußbereich rumwabert. Nachdem dies erledigt war, konnte die Verkleidung wieder ohne Klappe durchgehend sein. Da ich letztes Jahr im Zuge des Einbaus auch die Dinette in der Sitztiefe vergrößern musste wollte ich die Lehne zu einem Staukasten ausbauen um die Sitzfläche wieder auf ein normales Maß zu bringen.
Der Dinette-Tisch.
Mit diesem war ich zwar grundsätzlich zufrieden, aber es gab auch hier Dinge die ich so nicht wieder bauen würde. Erstens, war er ein paar Zentimeter zu niedrig. Wenn man im gedrehten Fahrersitz TV schauen wollte drückte einem immer die scharfe Tischkante mit den herkömmlichen Umleimern oben in die Oberschenkel. Zweitens, mir fehlte immer eine rotierbare zweite Tischplatte. Unter dem Tisch wollte ich mit einem Unterschrank Ordnung schaffen und dieses offene Chaos mit Schuhen und Staubsauger/Kehrset endlich irgendwo einhausen. Ein Unterschrank musste her.
Alle Türen und Schranktüren.
Alle Schranktüren waren bislang auch nur aus Spahnplatten und sahen mittlerweile auch nicht mehr so schön aus. Was mich an diesen aber, abgesehen vom Gewicht, massiv gestört hatte, waren die Push-Locks. Ich hasse diese Dinger aus tiefster Seele. Dieses hakelige Plastikgelumpe ist nicht nur beschissen einzujustieren, er leiert auch aus und darunter leidet die Bedienung. Die Dinger sind so schlimm hakelig, dass wir immer nur geflucht haben. Da wollte ich seit unseren positiven Erfahrungen im Heck mit den Pull-Locks, auch innen alles auf Pull-Locks umstellen. Pull-Locks kosten nicht viel mehr, aber sind komplett aus Metall. sie justieren sich leichter und sind stabiler in Bezug auf die Abnutzung. Die Optik der Türen sollte weiss bleiben, aber diesmal nicht nur edler aussehen, sondern auch ringsrum besser gegen Feuchtigkeit geschützt sein. Also würde ich diese rundum lackieren.
Neuland.
Gut, bei den Schranktüren war klar, die werden lackiert. Da suchte ich mir einen schönen Weißton aus und habe mich dann mit meinem Freund Martin besprochen, seines Zeichens Tischler. Er riet mir zu 2K-Möbellack.
Bei den Dekorteilen in Holzoptik war es ungleich schwieriger. Ich habe etwas Internet-Recherche betrieben und mich für ein Beschichten mit Resopal entschieden. Ich hab direkt im Internet mehrere Dekore gefunden die meinem Granada Eiche täuschend ähnlich sehen. Ich hab dann mal eine Mustermappe bestellt und konnte so mit dem Samples ein Dekor ermitteln, welches nahezu 1:1 entspricht. Ich müsste mir von Martin nur zeigen lassen wie man das Holz ordentlich beschichtet und die Schnittkanten dann mit Dickkante versieht. Das war also dreimal absolutes Neuland für mich. Spannend.
Die Vorbereitungen.
Zuallererst wollte ich natürlich mal wissen wie groß der Gewichtsunterschied zwischen Spahn- und Sperrholz sein würde. Ich habe also einfach mal grob eine alte Schranktür und die passende neue Austauschtür aus Sperrholz gewogen. Der Unterschied ist enorm. Die nackte Sperrholztüre wog gerade mal 40% der Spahntür. Das macht echt was her. Das Projekt macht also gerade deshalb schon echt Sinn.
Bevor ich für die Beschichtungs- und Holzarbeiten zu Martin in die Tischlerei fahren würde, wollte ich im Vorfeld so viel vorbereiten wie nur möglich. Also, alle Türen zuschneiden, und im rohen Zustand erstmal einbauen und die Löcher für die Pull-Locks bohren. Dann alles so einjustieren, dass die Türen auf jeden Fall erstmal perfekt funktionieren. Es würde nur lackiert was wirklich passt. Ich wollte auch an manchen Kanten gefräste Rundungen haben, die ich auch vorbereitet mitgenommen hatte.
Ich hatte ausserdem den Küchenschrank schon mal aus rohem Sperrholz gebaut und auch die ganzen Türen gesetzt und eingebaut. Die Schubladenschienen sollten unbedingt von Blum sein und sollten Soft-Motion haben - man schiebt sie grob zu und sie ziehen sich dann auf die letzten Zentimeter von selbst zu. Da war mir nicht ganz klar wie die funktionieren. Das machen wir also auch bei Martin. Was mir noch große Sorgen bereitet hatte war das Holz selbst. Dieses war, aus der Platte zugeschnitten, echt deutlich verzogen. Nicht schön.
Lackieren der Türen.
Das Lackieren von Möbeln ist grundsätzlich kein Hexenwerk. Aber es steht und fällt mit der eigenen Sorgfalt. Je sauberer und gewissenhafter man arbeitet, desto schöner wird das Ergebnis und da spreche ich nicht nur vom gleichmäßigen Farbauftrag, sondern vielmehr von der Vorarbeit, und da hat mich Martin echt in den Arsch getreten - zum Glück.
Als erstes wird das Holz fein geschliffen. Wichtig ist dann ein lückenloses Grundieren - ein Schritt den ich immer unterschätzt habe. Ich dachte immer das Grundieren wäre dafür da, damit der Lack besser hält. Stimmt nur bedingt. Die wichtigere Aufgabe ist das Versiegeln der Holzfasern VOR der Decklackschicht. Lack hat die Tendenz das Holz aufzuquellen. Dann stehen einzelne Fasern auf und der Lack sieht rauh aus. Also muss dicht grundiert werden um die Fasern zu schließen. Jetzt ist wichtig die Grundierung so zu schleifen, dass sie glatt ist, aber nirgends auf das Holz zurückgeschliffen wird. Das kann auch bedeuten, dass man mehrmals grundieren muss. Es darf auf keinen Fall irgendo nacktes Holz rausspitzen. Das würde beim Auftragen des Decklacks sofort wieder quellen. Auch müssen etwaige Dellen noch gespachtelt und wieder geschliffen werden. Die gefrästen Schnittkanten legen die einzelnen Holzschichten frei. Diese Unebenheiten kann die Grundierung nicht ausgleichen - gerade die müssen also gespachtelt und geschliffen werden. Erst wenn das 100% passt kommt der Decklack drauf, und der überzeugt auf ganzer Linie. Das Ergebnis kann sich echt sehen lassen. Leider habe ich selbst keine Lackierkabine zuhause und werde künftig selbst nicht auf diese Weise lackieren können. Ich brauche also eine für mich zu Hause praktikable Lösung.
Beschichten mit Resopal.
Das habe ich mir extrem schwierig vorgestellt, hatte sich aber am Ende doch als praktikabel und für mich jederzeit reproduzierbar herausgestellt. Ganz simpel: Der Schichtstoff wird einfach mit Holzleim aufgeklebt und gepresst. Dazu wird der Leim, flächig, mit einer feinen Zahnspachtel, lückenlos aufgetragen. Dann wird der Schichtstoff sorgfältig und gerade aufgelegt. Dann muss er mit Platten, Gewichten und Zwingen beschwert und quasi gepresst werden. Nach ca. 30 min ist alles abgebunden. Wichtig ist, man muss immer beide Seiten beschichten, denn bei Temperaturunterschieden dehnen sich Holz und Resopal unterschiedlich aus, dann würde sich die Platte stark verbiegen. Also braucht man auf der Gegenseite einen sogenannten Gegenzug. Das ging relativ schnell. Überstehendes Resopal wird mit einem Kopierfräser in einer Oberfräse einfach kantengenau abgefräst. Auf diese Weise kann man die Bretter im Vorfeld auf einer Plattensäge im Baumarkt sauber zuschneiden lassen. Mit dieser Art der Beschichtung ist das Holz relativ kratz- und stoßfest und hat ein konsistentes Erscheinungsbild. Verarbeiten lässt sich diese Platte dann wiederum wie ich es von den Spahnplatten gewohnt war. Mega, das mach ich jetzt in Zukunft nur noch so.
Ein super Nebeneffekt beim Beschichten ist, dass man damit auch verzogene Sperrholzplatten plan bekommt. Dazu muss aber der Untergrund auf dem das Pressen stattfindet auch plan sein. Durch das Verkleben wird das Holz durch die beiden Resopalschichten in seiner Position und Form fixiert.
Ein wichtiger Hinweis, und ich spreche da jetzt aus Erfahrung: Resopal ist messerscharf. Man kann sich daran fies schneiden und kratzen, deswegen sollte man im Umgang mit den geschnittenen Platten sehr vorsichtig agieren. Ein Skalpell ist kaum schärfer!
Die Dickkanten.
Bislang habe ich bei den Spahnplatten immer diese Baumarkt Bügelumleimer verwendet. Ich fand das eigentlich jahrelang ok, aber mir war klar, dass das Poco, oder Möbelix Niveau ist. Das ist Billigheimerscheiss. Hobbyholzarbeiten und echte Schreinerarbeiten haben einen großen Unterschied: die Kante. Schreiner verwenden keine billigen Umleimer, sondern Dickkanten mit Radien. Das sieht viel edler aus. Ich habe mich immer gefragt wie das geht, jetzt weiss ich es. Allerdings war diese Erfahrung echt ernüchternd. Martin hat in seiner Tischlerei dafür nämlich eine eigens vorgesehene Klebemaschine. Sie besteht aus der eigentlichen Klebeeinheit mit mehreren Rollen, die auf einen großen Maschinentisch montiert ist, und permantent den Heissleim auf Temperatur hält. Hinten wird die Kante von der Rolle in die Maschine geführt. Nun legt der Tischler die zu "bekantende" Platte auf und führt sie an den drehenden Rollen vorbei, während die Kante aufgedrückt wird. Der Kleber kühlt schnell ab und die Kante sitzt bombenfest. Nun wird der Überstand mit einem Kopierfräser mit der Oberfräse plangefräst und in einem weiteren Arbeitsgang wird die Rundung mit einem Kantenfräser angefräst. Das gibt ein unfassbar geiles Ergebnis. Ernüchternd war es insofern, dass ich nicht wusste wie ich solche Kanten in meiner Miniwerkstatt selbst anfertigen soll. Diese Maschine ist riesig und kostet 10.000EUR. Hab weder Platz noch Geld. Das fühlte sich echt blöd an, hier das nur einmal machen zu können und zuhause wieder auf Bügelkanten umsteigen zu müssen. Dazu später mehr.
Die neuen Teile.
Die Türen.
Bei meinen alten Türen war es so, dass die Schnittkanten, trotz Umleimer, nie nahtlos sind. Da schaut immer wieder irgendwo ein bisschen eine kleine Holzkante durch. Dort kann gerade in südlichen Gefilden durch die hohe Luftfeuchtigkeit das Holz leicht aufquellen und diese blanken Stellen werden schlimmer. Runde Kanten bzw. große Radien sind hier nicht möglich. Das sieht bei so einer lackierten Tür natürlich schon echt toll aus. Obwohl das Farkonzept auf den ersten Blick immernoch das Gleiche ist, sieht es trotzdem direkt beim Betreten des Wagens um einiges wertiger aus. Da alles rundum lackiert ist, gibt es keine offenen Stellen die aufquellen könnten. Kombiniert mit den hochglänzeden Pull-Locks ist das für mich eine non-plus-ultra Opitik. Ich könnte nicht zufriedener sein.
Der Schrank.
Der neue Schrank hat grundsätzlich erstmal die Außenmaße des alten Schranks. Aber abgesehen von der neuen Bauweise mit Sperrholz und Dickkante, sind die neuen Features einfach der Knaller. Ganz vorne zu nennen ist da die Aussenklappe. Nun muss man nicht mehr wegen jedem Scheiss in den Wagen. Jetzt kommt man in den kompletten Stauraum des Küchenschranks auch durch die Außenklappe. Das Fach wurde von innen mit Alu-Isolierfolie ausgekleidet um eine Wärmeeinewirkung von aussen grob zu verhindern Die Schübe bedienen sich butterweich und die Pull-Locks funktionieren perfekt. Die Resopal-Dekoroberflächen passen nahezu perfekt zum alten Dekor.
Der Tisch.
Ab hier bin ich als Hobbybastler extrrastolz! Denn ab hier habe ich alles Weitere bei mir in der Werkstatt gebaut, ohne die Tischlerei im Rücken. Hier war ich auf mich gestellt und habe da in meinen Augen echt abgeliefert. Beschichten, Dickkante, Radien fräsen alles habe ich in meiner bescheidenen Werkstatt hergestellt und es hat wirklich gut funktionert. Ich habe da für mich einen Workaround gefunden, aber dazu später im Detail mehr. Das Ergebnis ist jedenfalls super geworden.
Wegen der ausdrehbaren Platte, habe ich im Vorfeld viel nach Mechaniken gegoogelt und habe nichts gefunden was mir den Preis wert gewesen wäre. Ich war sogar regelrecht erstaunt wie teuer diese Mechaniken sind. Ich habe dann meine eigene pragmatische Idee umgesetzt. Ich habe hier in die obere Platte eine M10 Verbundmutter ins Holz gedreht. Diese geht eine Verbindung mit dem Holz ein, stellt aber im inneren ein metrisches Gewinde bereit. Dort habe ich eine Gewindestange eingedreht und mit Sekundenkleber verklebt. Das hält bombenfest. Auf der Unterseite obere Platte habe ich um diese Gewindestange herum dünnen Filz aufgeklebt. Drauf habe ich dann die untere Platte gesteckt und diese mit zwei gekonterten Muttern zusammengespannt. auch diese Kontermutter habe ich mit Sekundenkleber wieder verklebt. Da die Gewindestange so lang angelegt wurde, dass sie auch aus der zweiten Platte noch 30mm heraus steht, konnte ich diese in das Tischbein einschrauben, in welche ich auch eine Verbundmutter eingedreht hatte. Die Mechanik funktioniert sehr stabil. Ich hätte keine Bedenken hier auf den Tisch schwere Töpfe und Schüsseln abzustellen. Zugegeben, ich würde mich sicher auf die zweite Platte im ausgedrehten Zustand nicht setzen wollen. Das hält sie sicher nicht aus. Aber ich denke das traue ich auch den handelsüblichen Mechaniken nicht zu.
Um beim Tisch noch ein wenig mehr Flexibilität zur erreichen, habe ich den Tisch oben mit einem Schwerlastauszug, den ich noch von meinem Heckumbau übrig hatte, so befestigt, dass ich den kompletten Tisch verschieben kann.
Sitzbank.
Auch hier habe ich das Beschichten und die Kante bei mir Zuhause gemacht. Den Kasten habe ich aus 8mm Sperrholz gebaut und die Türklappe wurde dazu noch beschichtet. Die Innenflächen des Fachs sind lediglich geölt. Damit das Fach nicht von selbst aufgeht, habe ich auch hier ein Pull-Lock eingebaut. Das sieht nicht nur super aus, sondern funktioniert auch butterweich.
Zurück in meiner bescheidenen Werkstatt.
Meine größte Befürchtung wäre gewesen, dass ich nichts von dem Knowhow das ich in der Tischlerei gesehen hatte, bei mir zu Hause anwenden könnte. Denn es ist ja schon interessant wie Tischler arbeiten, aber es nützt einem abolut nichts, wenn man nicht auch das notwendige Spezialwerkzeug bzw. Maschinen zur Verfügung hat. Dann würde ich beim restlichen Umbau (Tisch, Sitzbank, Verkleidungen) wieder auf meine alten Arbeitsweisen ausweichen müssen. Aber das wäre mir vom Ergebnis her nicht mehr befriedigend. Ich habe Blut geleckt und es gibt kein Zurück mehr!
Das mit dem Beschichten habe ich zuhause sofort ausprobiert und die Ergebnisse waren identisch. Das ließ sich zu 100% reproduzieren. Ich bekam das Material mit der Zahnspachtel und Holzleim sauber aufgebracht und konnte es mit Brettern, Gewichten und Zwingen gut aufpressen. Das Ergebnis war genauso gut wie in der Tischlerei.
Das mit dem Lackieren konnte ich auch relativ gut reproduzieren. Zwar habe ich nicht gesprüht, sondern gerollt, aber das Ergebnis ist tausendmal besser als alles was ich vorher lackiert habe. Das war der sorgfältigen Vorabeit geschuldet. Lückenloses Grundieren, Spachteln und Schleifen machten auch beim Rollen einen grandiosen Unterschied. Wenn man den Lack nämlich optimal verdünnt verfließt dieser nach dem Aufbringen zu einer sehr schönen glatten Oberfläche.
Ein Problem war aber die Dickkante. Ich habe lange überlegt wie ich diese Dickkante auf die Schnittkanten der Bretter bekommen würde. Erst dachte ich an Sika um sie zu verkleben. Ich würde sie dann mit Spanngurten an die Kanten pressen bis der Kleber ausgehärtet ist. Ich habe es auf einer kleinen Fläche ausprobiert und rein von der Klebequalität war das Ergebnis super. Aber es würde einfach zu lange dauern bei einem Brett mit ca. 50x50cm alle vier Seiten zu bekleben. Das musste schneller gehen. Auf meiner erfolglosen Suche nach einer bezahlbaren Klebemaschine kam mir dann die Erleuchtung: Diese Msachine verarbeitet eine Art Heisskleber. Hm, Heissklaber habe ich doch aus der Klebepistole?!!? Aber ich würde die Kante doch nicht einfach mit der Herissklebepistole aufkleben? Dann hatte ich eine Idee: Ich würde den Kleber aus der heißen Pistole erstmal dick auf die Dickkante aufbringen und ihn dort sofort mit der Zahnspachtel gleichmäßig verteilen. Dann ließ ich den Kleber erstmal erkalten. Dann habe ich die Kante auf der Oberseite von Kleberresten befreit und sie dann mit einem Bügeleisen versucht auf die Brettkante zu bügeln. Das erste Ergebnis was Grütze. Das Bügeleisen war nicht heiss genug und der Kleber unter der Kante wollte nicht flüssig werden. Somit verband er sich nicht. Dann habe ich in meiner Ungeduld das Bügerleisen voll aufgedreht und musste feststellen, der Kleber schmilz richtig gut und es ging richtig schnell. Leider schmilzt da auch die Kante selbst. Sie fängt dann an zu glänzen oder wenn man zu lange wartet gibt es richtige Schmelzstellen. Also musste die Temperatur wieder runter. Das schützt zwar die Kante, aber das verlangsamt den Prozess doch deutlich. Man muss auch ab und an bestimmte Stellen nochmal nachbügeln, weil man nach dem ersten planfräsen der Kante feststellt, dass sie nicht ganz an der Schnittkante des Brettes angepresst ist. Aber das lässt sich gut korrigieren. Ein miese Fitzelarbeit, aber mit viel Geduld konnte das Ergebnis sogar Martin überzeugen, welcher im Vorfeld sehr sehr skeptisch war. Aber die Kante sitzt super fest und ließ sich dann, wie in der Tischlerei, mit der Oberfräse gut weiter bearbeiten. Das ist ein toller DIY-Workaround. Ich werde künftig auf braunen Heisskleber umstellen, weil dieser sich an den Stellen wo man ihn sieht, besser ins Holzdekor einfügt. Ich habe aktuell grauen Kleber verwendet, aber das ist nur semi-optimal. Verheerend wäre Weiß, weil dieser bei einer Holzoptik deutlich rausstechen würde. Bei weißen Platten wäre Weiß natürlich optimal.
Die Gewichtsersparnis.
Ich habe zum Ende des Projekts nochmal einzelne Teile gewogen und viel rumgerechnet und kam auf ein beeindruckendes Ergebnis mit dem ich nicht gerechnet hatte. Beim Umbau aller Türen, des Küchenschranks und der Dinette habe ich unglaubliche 87kg eingespart. Das ist enorm und für mich war allein das schon den ganzen Aufwand wert. Dazu sieht es noch geiler aus, bietet mehr Stauraum und ist viel praktischer als vorher. Ein voller Erfolg.
Verwendete Materialien und Komponenten:
- RESOPAL Platte 135x280cm, Dekor Soilwood, 140,-EUR
- RESOPAL Platte 135x280cm, Dekor weiss, 110,-EUR
- Dickkante 30mm, ca 15m, 50,-EUR
- Zuschnitte Sperrholz Pappel 10mm, ca. 6qm, 70,-EUR
- 2x Blum schubladenauszüge mit Soft-Motion, ca. 70,-EUR
- Ponal Holzleim, mehrere Flaschen, ca 35,-EUR
- 2K Möbellack Clou, 1l, RAL9010, inkl Härter 35,-EUR
- 17x Pull Locks, ebay, ca. 110,-EUR
- 3x M10 Verbundmutter, ca. 10,-EUR
- 1m M10 Gewindestange, inkl. Muttern ca. 10,-EUR
- Schwerlastauszug, hatte ich noch



















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